Outdoor-Region Tzoumerka

Abseits der klassischen Touristenziele Griechenlands wartet eine Perle auf Entdeckung: Die Tzoumerka mit ihren Kajakflüssen Acheloos, Arachthos und Kalaritikos bietet Wildwasser der Spitzenklasse, und noch viel mehr. Die grandiose Berglandschaft mit viel Geschichte und Kultur ist ideal für Familien und gemischte Gruppen. Das Outdoor-Zentrum Plaka mit dem neu gegründeten Via Natura Kayak Camp ist das perfekte Basislager zur Entdeckung der Region.

Das mächtige Felsenband turmhoher Steilwände leuchtet im roten Widerschein der Abendsonne. Schneefelder flirren im späten Licht und lassen die Horizontlinie verschwimmen. Das Schauspiel fesselt den Blick mit wildem Farbenspiel. Viele Hundert Meter tiefer hingegen herrscht Ruhe, der Laubwald mit all seinen Schattierungen liegt still. Selbst der in großen Schwingen zum Meer ziehende Arachthos durchfließt den Felsenschlund des Großen Canyons fast schon heimlich. Kein Ton des Tosens, Brausens, Rauschens. Man muss genau hinsehen, um die winzigen roten Dächer des Örtchens Plaka überhaupt zu erkennen. Die Kühle des Abends legt sich über die Täler der Tzoumerka. Der Tag hat seinen Frieden gefunden.

Die Tzoumerka-Kette im Abendlicht. | Foto: Salome Fritz
Die Tzoumerka-Kette im Abendlicht. | Foto: Salome Fritz

Es lohnt sich innezuhalten, den Wagen an die Seite zu fahren und Motor kurz abzustellen. Hat man die Arachthos-Brücke überquert und die Serpentinen hoch über Plaka hinter sich gebracht, kann man sich dem gewaltigen Panorama kaum entziehen. Ob an jenem, oben beschriebenen Abend im Mai oder in der strahlenden Mittagssonne eines klaren Herbsttages – die Berglandschaft der Tzoumerka hat etwas Magisches.

Das vielleicht bizarrste an diesem Fleckchen: Kaum ein ausländischer Reisender verirrt sich je in das verborgene Idyll im nordgriechischen Pindosgebirge. Ist es die Lage am Rand der großen Verkehrsachsen? Oder das eher verhaltene Marketing der regionalen Touristiker? Wenn Nicht-Griechen den Weg in die Tzoumerka finden, sind es meist Kajakfahrer. Arachthos und Acheloos zählen zu den berühmtesten Kanuflüssen Griechenlands. Der gewaltige Canyon des mittleren Arachthos wird seit Jahrzehnten von Wildwassersportlern befahren. Doch selbst diese, im Allgemeinen sehr reisefreudige Spezies aquatischer Abenteurer kennt meist nur den Fluss, das Örtchen Plaka mit seinen Bars und zwei oder drei wilde Zeltplätze.

Dabei hat die wilde Gebirgslandschaft zwischen den zwei großen Strömen Nordgriechenlands so viel mehr zu bieten. Die raue, oft bis in den Frühsommer schneebedeckte Gipfelregion ist eine Welt für sich. Nur wenige Menschen verbringen das ganze Jahr in den pittoresken, aber nur umständlich erreichbaren Bergdörfern. Wer will kann hoch hinaus, auch mit dem Auto: Viele der geschotterten Bergsträßchen lassen sich auch ohne Allradantrieb erkunden und eröffnen Reisenden die menschenleere Welt der Hochalmen. Ob am Wegesrand oder auf den höchsten Kuppen: Kapellen, Klöster und Kirchen zeugen an spektakulären Orten von der tiefen Religiosität der Bergbewohner. Die von historischen Saumpfaden verbundenen Dörfer sind ein Kapitel für sich.

Wirken viele der in ausgesetzter Lage errichteten Siedlungen während der meisten Zeit des Jahres verlassen,wurde in den Steinhäusern zu anderer Zeit Geschichte geschrieben. Kallarites, Syrako und Matsouki und waren vor 200 Jahren veritable Wirtschaftszentren, lokale Schafzüchter dominierten den Wollhandel bis nach Venedig und statteten selbst das napoleonische Heer mit Wollkleidung aus. Im Gewirr der verwinkelten Gassen stehen restaurierte Häuschen zwischen vom Zahn der Zeit gezeichneten Ruinen. Die Siedlungen der Tzoumerka thronen oft Adlerhorsten gleich über tiefen Schluchten, panoramareiche Wanderwege führen entlang schroffer Klammwände und tosender Wasserfälle.

Unwirklich aquamarin: die Louros-Quelle westlich der Tzoumerka-Region.
Unwirklich aquamarin: die Louros-Quelle westlich der Tzoumerka-Region.

Das Wasser der zahllosen, stets klaren Bäche sammelt sich in den Schluchten von Acheloos, Arachthos und Kalaritikos. Besonders die zwei letztgenannten begründen die ungebrochene Beliebtheit der Region unter Wildwassersportlern. Skulpturenreich geformte, völlig weglose Canyons über viele Kilometer, in allen Farben schimmernde Sedimentwände, von Schlingpflanzen umrankte Grotten, sprudelnde Quellen und knorrige Riesenplatanen – die Natur hat ein Wunderwerk geschaffen in den Tiefen der Arachthosschlucht. Das Wildwasser selbst ist ein Traum. Die Struktur der Flüsse in den Fels gemalt, als hätte der Schöpfer selbst ein Paddel geschwungen. Auf jede Stromschnelle folgt ein Ruhepool, Die Felsen sind rund, das Wasser sauber und relativ warm. Keine Portagen, nicht einmal nervenaufreibende Besichtigungen vom Ufer aus bremsen die Fahrt. Hingegen ist der Arachthos ein Spielplatz sondergleichen: Surfwellen, tiefe, klar definierte Kehrwasser, Strömungen jeder Schwierigkeit machen das technische Paddeln zwischen den Blöcken zum Vergnügen. Von ganz leichtem Wildwasser bis zur furiosen Schussfahrt durch den Canyon des Kallaritikos – hier entdeckt jeder seine ganz persönliche Lieblingsstrecke.

Paddeln im Skulpturenpark des Kalaritikos.
Paddeln im Skulpturenpark des Kalaritikos.